iǧmâʿ, اجماع - (Konsensus, Übereinstimmung) - Herkunft, Entstehung und Geschichte
Gemeint ist hier, der Konsensus bzw. die Übereinstimmung religiöser Autoritäten. Die Nennung von iǧmâ' dient oft dazu, bei ausgehenden Argumenten in Gesprächen eine weitere „Keule“ einzuführen, um den eigenen Behauptungen Nachdruck zu verleihen.
Im Folgenden wird untersucht, ob der iǧmâʿ ein Konzept ist, das auf den Quellen des Islams beruht, d.h. auf dem Qur'ân basiert und inwieweit er durch Hadîthe unterstützt wird
Die Belegstellen im Qur'ân, die zur Begründung des iǧmâ's angeführt werden, sind, Auf die fettgedruckten Qur'ân-Stellen stützt sich aš-šâfiʿî als Begründung für den iǧmâʿ, اجماع:
- (2:143), (3:103), (3:110), (4:59), (4:115), (7:181) und (42:10) (Ibn Behçet am 22.08.2015).
- (3:103), (4:83, 115) (Handwörterbuch des Islam, , S. 775:)
Diese Verse werden nachfolgend auf arabisch und deutsch wiedergegeben. Die abweichende Nummerierung resultierte aus der nicht immer einheitlichen Verszählung bzw. um die Verse mit der eindeutigeren Aussage auszuwählen.
(2:143)
وكذلك جعلناكم أمة وسطا لتكونوا شهداء على الناس ويكون الرسول عليكم شهيدا وما جعلنا القبلة التي كنت عليها إلا لنعلم من يتبع الرسول ممن ينقلب على عقبيه وإن كانت لكبيرة إلا على الذين هدى الله وما كان الله ليضيع إيمانكم إن الله بالناس لرءوف رحيم |
„Und so machten Wir euch zu einer in der Mitte stehenden Gemeinschaft, damit ihr Zeugen über die Menschen seiet und der Gesandte über euch Zeuge sei. Und Wir setzten die Qibla, die du befolgt hast, nur ein, damit Wir den, der dem Gesandten folgt, unterscheiden möchten von dem, der sich auf seinen Fersen umdreht (abtrünnig wird). Das ist zwar schwer außer für diejenigen, denen Allah den Weg gewiesen hat. Und Allah will euren Glauben nicht fruchtlos sein lassen. Wahrlich, Allah ist barmherzig und gnädig gegen die Menschen.“
(3:103, 104)
واعتصموا بحبل الله جميعا ولا تفرقوا واذكروا نعمة الله عليكم إذ كنتم أعداء فألف بين قلوبكم فأصبحتم بنعمته إخوانا وكنتم على شفا حفرة من النار فأنقذكم منها كذلك يبين الله لكم آياته لعلكم تهتدون
„Und haltet euch allesamt fest am Seile Allahs, und seid nicht zwieträchtig. Und gedenkt der Huld Allahs gegen euch, als ihr Feinde wart. Alsdann fügte Er eure Herzen so in Liebe zusammen, dass ihr durch Seine Gnade Brüder wurdet; ihr wart am Rande einer Feuergrube, und Er bewahrte euch davor. Also macht Allah euch Seine Zeichen klar, auf dass ihr rechtgeleitet seid. “
ولتكن منكم أمة يدعون إلى الخير ويأمرون بالمعروف وينهون عن المنكر وأولئك هم المفلحون
Es soll unter euch eine Gemeinschaft sein, die zum Rechten auffordert und das Gute gebietet und das Böse .verwehrt Diese allein sollen Erfolg haben.
Nach diesem Vers soll es unter den Muslimen eine Gemein-schaft mit dieser Aufgabe geben, folglich eine Minderheit unter ihnen.
(3:110)
كنتم خير أمة أخرجت للناس تأمرون بالمعروف وتنهون عن المنكر وتؤمنون بالله ولو آمن أهل الكتاب لكان خيرا لهم منهم المؤمنون وأكثرهم الفاسقون
Ihr seid die beste Gemeinschaft, für die Menschen hervorgebracht; ihr gebietet das Gute und verwehrt das Böse und glaubt an Allah. Und wenn das Volk der Schrift auch glaubte, wahrlich es würde ihnen besser frommen. Manche von ihnen glauben, doch die meisten von ihnen sind ungehorsam.
(4:59)
يا أيها الذين آمنوا أطيعوا الله وأطيعوا الرسول وأولي الأمر منكم فإن تنازعتم في شيء فردوه إلى الله والرسول إن كنتم تؤمنون بالله واليوم الآخر ذلك خير وأحسن
O die ihr glaubt, gehorcht Allah und gehorcht dem Gesandten und denen die Befehlsgewalt unter euch haben. Und wenn ihr in etwas uneins seid, so bringt es vor Allah und den Gesandten, so ihr an Allah glaubt und an den Jüngsten Tag. Das ist das Beste und am Ende am Ende auch das Empfehlenswerteste.
Die Gläubigen werden hier aufgefordert, Allah und dem Gesandten zu gehorchen und bei Uneinigkeit etwas vor Allah und den Gesandten zu bringen, d.h. gegen den offenbarten Text und die authentischen Überlieferungen zu prüfen.
(4:115)
ومن يشاقق الرسول من بعد ما تبين له الهدى ويتبع غير سبيل المؤمنين نوله ما تولى ونصله جهنم وساءت مصيرا
Und wer sich dem Gesandten widersetzt, nachdem ihm der rechte Weg klar geworden, und einen anderen Weg befolgt als den der Gläubigen, den werden Wir verfolgen lassen, was er verfolgt, und Wir werden ihn in die Hölle stürzen; und schlimm ist die Bestimmung.
(7:181)
وممن خلقنا أمة يهدون بالحق وبه يعدلون
Unter denen, die Wir erschufen, gibt es eine Gemeinschaft, die mit der Wahrheit leitet und danach Gerechtigkeit übt.
(42:8 -10)
ولو شاء الله لجعلهم أمة واحدة ولكن يدخل من يشاء في رحمته والظالمون ما لهم من ولي ولا نصير أم اتخذوا من دونه أولياء فالله هو الولي وهو يحيي الموتى وهو على كل شيء قدير وما اختلفتم فيه من شيء فحكمه إلى الله ذلكم الله ربي عليه توكلت وإليه أنيب
Hätte Allah gewollt, Er hätte sie zu einer einzigen Gemeinschaft machen können; jedoch lässt Er in Seine Barmherzigkeit ein, wen Er will. Und die Frevler werden keinen Beschützer noch Helfer haben.Haben sie sich Beschützer genommen statt Ihn? Doch Allah allein ist der Beschützer. Er macht die Toten lebendig, und Er vermag alle Dinge zu tun.Über was immer ihr uneins seid, die Entscheidung ruht bei Allah. Das ist Allah, mein Herr; auf Ihn vertraue ich, und zu Ihm wende ich mich.
(4:80, 82)
من يطع الرسول فقد أطاع الله ومن تولى فما أرسلناك عليهم حفيظا أفلا يتدبرون القرآن ولو كان من عند غير الله لوجدوا فيه اختلافا كثيرا
Wer dem Gesandten gehorcht, der gehorcht in der Tat Allah; und wer sich abkehrt - wohlan, Wir haben dich nicht gesandt zum Hüter über sie.Wollen sie denn nicht über den Qur'ân nachsinnen? Wäre er von einem anderen als Allah, sie würden gewiss manchen Widerspruch darin finden.
Keiner der zitierten Verse sagt etwas über irgendeine Form von ijmâ', von einer Mehrheitsmeinung von Gläubigen oder gar Gelehrten.
Betrachtet man die Einstellung vieler Muslime hierzu, so wendet sich der Qur'ân gegen jene, die sich auf Autoritäten aus der Vergangenheit berufen, anstatt in das Wort Allahs zu sehen. So heißt es in
(5:104)
وإذا قيل لهم تعالوا إلى ما أنزل الله وإلى الرسول قالوا حسبنا ما وجدنا عليه آباءنا أولو كان آباؤهم لا يعلمون شيئا ولا يهتدون
Und wenn ihnen gesagt wird: „Kommt her zu dem, was Allah herabgesandt hat, und zu dem Gesandten“ sagen sie: „Uns genügt das, worin wir unsere Väter vorfanden.“ Und selbst wenn ihre Väter kein Wissen hatten und nicht auf dem rechten Weg waren!
Der Rückgriff auf den iǧmâʿ, اجماع ist etwas, was der Qur'ân nicht kennt, und wird von vielen Muslimen an die Stelle des von Allah im Qur'ân geforderten Nachdenkens (= tafakkur تفكر) gesetzt – mit schlimmen Folgen für alle von Allah geschaffenen homosexuellen Menschen in vielen Jahrhunderten muslimischer Geschichte. Dagegen konnten sich Gelehrte mit anderer Auffassung später nicht mehr durchsetzen. So haben z.B. die Hadîth-Sammler al-buchârî, muslim und an-nasâ'î Überlie-ferungen, die Homosexualität verurteilten oder verbieten, nicht aufgenommen, weil sie ihre schwachen isnâde feststellten. Aber ihre Sorgfalt hatte keinen spürbaren Einfluss mehr auf die muslimische Rechtsentwicklung.
Die Einrichtung des iǧmâʿ, اجماع beruht - wie man sehen kann - nicht auf einer Offenbarung im Qur'ân. Keiner dieser Verse erklärt, dass eine Mehrheitsmeinung von Muslimen über Lehren oder Gebote des Islams entscheiden kann, keiner sagt, dass Muslime – auch mehrheitlich - nicht irren können, keiner dieser Verse gebietet, einen iǧmâʿ, اجماع von Gelehrten zu bilden oder ihn zu suchen und ihm zu folgen. Vers 42:10 sagt „Und über was immer ihr uneins seid, die Entscheidung ruht bei Allah. ..“.
Da die Offenbarung mit dem Qur'ân abgeschlossen ist, kann das nur bedeuten, im Qur'ân nach einer Antwort zu suchen. So ist auch der Vers 4:59 zu verstehen, der die – authentische – Sunna einschließt. Im Vers 7:181 nennt Allah „ein Volk, das mit der Wahrheit leitet und danach Gerechtigkeit übt“ - dies mit der Mehrheit der Muslime gleichzusetzen, wäre ebenfalls sehr verwegen, wenn man die Verfasstheit der Muslime in der Welt sieht.
Des weiteren führt Ibn Behçet 2 Überlieferungen an.
„Wahrlich, meine ʾUmma einigt sich nicht auf der Falschheit...“ (Ibn Māǧa, 3950)
Zu diesem Text heißt es in der mir vorliegenden arabischen Druckausgabe: „In den Anmerkungen: In seinem isnâd gibt es abû chalaf al-a'mâ, sein Name ist Hâzim ibn 'aTâ', er ist Da'îf [= schwach]. Dieser Hadîth kommt auf [mehreren Überlieferungs-] Wegen vor, Und alle werden [kritisch] gesehen.“
Ein anderer Hadîth-Text:
- „Wahrlich, Allāh einigt meine Umma (oder die Umma Muḥammads - Allāhs Segen und Friede auf Ihm) nicht auf der Falschheit...“ (at-Tirmiḏī, 2167)
In der mir vorliegenden arabischen Druckausgabe gibt es ihn nicht unter der angegebenen Nummer, aber ich fand ihn mit Hilfe der Ḥadîṯ-Konkordanz als Nummer 2255. Diese Über-lieferung bewertete at-tirmiḏî folgendermaßen: „Dies ist ein Ḥadîṯ ġarîb [eine ungewöhnliche, seltsame, kuriose Über-lieferung] in dieser Bedeutung. ...“ - mit anderen Worten: Beides sind keine Überlieferung der Klasse šaḥîḥ [authentisch].
Nachfolgend dagegen zwei Zitate aus dem Qur'ân, die ebenfalls das Thema „iǧmâ''“ berühren:
Über den Qur'ân heißt es in (16:103): „... Und dies hier ist deutliche und klare (arabisch: mubîn - مبين) arabische Sprache.“,
Es braucht in der Regel daher keiner vermittelnden Instanz oder interpretativen Übersetzung, um den offenbarten Text richtig zu verstehen. Zudem hat der Rückgriff auf überlieferte Meinungen hinter ihm zurückzustehen
(5:104):
„Und wenn ihnen gesagt wird: 'Kommt her zu dem, was Allah herabgesandt hat, und zu dem Gesandten', sagen sie: 'Uns genügt, das, worin wir unsere Väter vorfanden.' Und selbst wenn ihre Väter kein Wissen hatten und nicht auf dem rechten Weg waren!“
Mit iǧmâ' ist auch ein Artikel von D.B. Macdonald im „Handwörterbuch des Islam“ benannt. Darin behauptet er auf S. 197: „Daher besitzt die Denkweise und Praxis des Volkes als ganzes die Kraft, Lehre und Gesetze zu schaffen, und nicht nur das auf anderem Weg Geschaffene als gültig zu approbieren. So hat manches, was zuerst eine Neuerung (bid'a, der Gegensatz von sunna) und als solche häretisch gewesen ist, vermittels des iǧmâ' gegen die klaren gegenteiligen Sätze des Kur'ân sich durchgesetzt. Dahin gehört z.B. die Heiligen-verehrung, die auf diese Weise tatsächlich ein Bestandteil der Sunna geworden ist, und, was das Merkwürdigste ist, in der Lehre von der Unfehlbarkeit und Sündenlosigkeit ('iṣmâ') Muhammads hat das idjmâ' gegen die klaren gegenteiligen Satze des Kur'ân sich durchgesetzt. Hier hat der Idjmâ' nicht einfach unbestimmte Punkte bestimmt, sondern bestimmte Lehren von der grössten Wichtigkeit umgeändert. Daher wird von vielen (soll wohl heißen: Orientalisten, Nicht-Muslimen) sowohl innerhalb als auch ausserhalb des Islâm als ein mächtiges Mittel, Reformen durchzuführen, betrachtet; das muslimische Volk, behaupten sie kann aus dem Islam alles machen, was es will, wenn es nur einig ist.“
Doch diesem orientalistischen Wunschdenken stehen klare Worte des Qur'âns entgegen. Darnach ist nur das, was Allah im Qur'ân offenbart hat, Islam, nichts darüber hinaus.
(3:19)
إِنَّ الدِّينَ عِندَ اللّهِ الإِسْلاَمُ وَمَا اخْتَلَفَ الَّذِينَ أُوْتُواْ الْكِتَابَ إِلاَّ مِن بَعْدِ مَا جَاءهُمُ الْعِلْمُ بَغْيًا بَيْنَهُمْ وَمَن يَكْفُرْ بِآيَاتِ اللّهِ فَإِنَّ اللّهِ سَرِيعُ
الْحِسَابِ
Wahrlich, die Religion (arab.: dîn) vor Allâh ist der Islâm. ...
(5:3)
... Heute habe Ich eure Religion (arab.: dîn) für euch vollendet und Meine Gnade an euch erfüllt und euch den Islâm zum Bekenntnis (arab.: dîn) erwählt. ...:
الْيَوْمَ أَكْمَلْتُ لَكُمْ دِينَكُمْ وَأَتْمَمْتُ عَلَيْكُمْ نِعْمَتِي وَرَضِيتُ لَكُمُ الإِسْلاَمَ دِينًا
(3:85)
Und wer eine andere Glaubenslehre sucht als den Islam (so wie Allah ihn offenbart hat): nimmer soll sie von ihm angenommen werden, und im zukünftigen Leben soll er unter den Verlierenden sein.
ومن يبتغ غير الإسلام دينا فلن يقبل منه وهو في الآخرة من الخاسرين
Wie zeigte sich die Einstellung zum iǧmā' im muslimischen Denken?
Welche Meinungen gab es dazu? In Wikipedia von Anfang Oktober 2018 fanden sich folgende Texte, die jedoch außer Acht lassen, dass der iǧmā' nicht mit Worten des Qur'âns zu begründen ist:
Wikipedia
„Idschmāʿ, إجماع idschma, DMG iǧmāʿ ‚Konsens‘, der Konsen-sus der islamischen Rechtsgelehrten, ist die dritte Quelle des Fiqh, der islamischen Jurisprudenz, neben dem Koran und der Sunna des Propheten Mohammed und seiner Gefährten (sahaba).
Man unterscheidet drei Arten von Konsensus: Den Konsensus durch ausdrückliche Aussage, durch die nachgewiesene Praxis und durch die stillschweigende Billigung einer Tat oder Aus-sage.
Uneingeschränkter Konsensus إجماع مطلق, DMG iǧmāʿ muṭlaq herrscht unter den Gelehrten in grundsätzlichen Fragen des Rituals (ʿibādāt), wie die Pflicht zum Gebet, zum Fasten und Ähnlichem. Allerdings bedeutet die Idee des Konsensus nicht, dass man in allen Bereichen des islamischen Rechts Übereinstimmung erzielt habe. Vielmehr spricht man vom Konsensus in Medina, oder in Mekka, vom Konsensus der rechtgeleiteten Kalifen, vom Konsensus der „beiden Städte“, das heißt Kufa und Basra, und vom Konsensus innerhalb einer Rechtsschule (madhhab).
Bei allen Unterschieden im Bereich des Konsensus geht die Legitimität desselben auf den Grundgedanken zurück, dass der Konsensus der Rechtsgelehrten in keiner Weise im Wider-spruch zum Koran und zur Sunna stehen könne.
Arabische Gegenbegriffe zu Idschmāʿ sind Ichtilāf und Chilāf.[1] Sie bezeichnen den Dissens zwischen und innerhalb der Rechtsschulen, der auch Gegenstand der Ausbildung der Rechtsgelehrten ist.“
In den nachfolgenden Zitaten aus der englischsprachigen Wikipedia wird von einem nicht authentischen Hadîth berichtet, der angeblich durch sunnitischen Konsensus (ijmâ') Gültigkeit zugeschrieben wurde, um damit den iǧmā' zu bekräftigen - eine ziemlich abwegige, abstruse Argumentation, ein Zeichen dafür, wie selbst Gelehrte bisweilen den Islam als ihr „Spielzeug“ betrachten. Ein nicht authentischer Hadîth wird durch „Gelehrte“ für authentisch erklärt - kann man einen Sachverhalt derart verfälschen, nur damit er passend für die eigene Ideologie gemacht wird? Darf man so mit der Religion, dem von Allah offenbarten Islam, spielen?
In den anschließenden Absätzen wird deutlich, wie wenig einheitlich daher der Umgang mit dem ijmâ' gesehen wurde. Ein Begriff wird ja nicht dadurch, dass man ihn auf bestimmte Menschen oder Menschengruppen beschränkt, zu einem religiösen Werkzeug, das er von seiner Herkunft ja auch nicht ist.
Sunni view
„The hadith of Muhammad which states that "My ummah will never agree upon an error"[2] is often cited as a proof for the validity of ijmā'. (While this hadith has only a limited number of transmissions bringing it to hadith collectors, and so is less reliable than would be preferred, Sunni scholars argue that they had come to a consensus that Muhammad had affirmed the Muslim communities infallibility so that the hadith was certain.)[3] Sunni Muslims regard ijmā' as the third fundamental source of Sharia law, just after the divine revelation of the Qur'an, and the prophetic practice known as Sunnah.
There are differing views over who is considered a part of this consensus, whether "the consensus is needed only among the scholars of a particular school, or legists, or legists of an early era, or the Companions, or scholars in general, or the entire Muslim community."[4][5] [6][7][8][9]
Malik ibn Anas held the view that the religiously binding consensus was only the consensus of Muhammad's companions and the direct successors of those companions in the city of Medina.[10]
According to Iraqi academic Majid Khadduri, Al-Shafi'i held the view that religiously binding consensus had to include all of the Muslim community in every part of the world, both the religiously learned and the layman.[11][12] Thus, if even one individual out of millions would hold a differing view, then consensus would not have been reached. In an attempt to define consensus in a form which was more likely to ever occur, Al-Ghazali expanding on al-Shafi'i's definition to define consensus as including all of the Muslim community in regard to religious principles and restricting the meaning to only the religiously learned in regard to finer details.[13] Abu Hanifa, Ahmad bin Hanbal and Dawud al-Zahiri, on the other hand, considered this consensus to only include the companions of Muhammad, excluding all generations which followed them, in Medina and elsewhere.[14][15] Views within Sunni Islam branched off even further in later generations, with Muhammad ibn Zakariya al-Razi defining even a simple majority view as constituting consensus and Ibn Taymiyyah restricting consensus to the view of the religiously learned only.[15] Muhammad ibn Jarir al-Tabari's position was not entirely clear, as modern scholarship has attributed to him both the view that consensus means a simple majority,[15] and that it means only the consensus of the companions of Muhammad.[16]
According to Ahmad Hasan, the majority view is split between two possibilities: that religiously binding consensus is the consensus of the entire Muslim community, or that religiously binding consensus is just the consensus of the religiously learned.[17] The names of two kinds of consensus are:
ijma' al-ummah - a whole community consensus.
ijma' al-aimmah - a consensus by religious authorities.[18]“
„Shia view
Initially, for Shia the authority of the Imams rendered the consensus as irrelevant. With the development of sectarian communities of Imami Shīa Islam, the question of guidance and interpretation between different ulamas became an issue, however the importance of ijmā never reached the level and certainty it had in Sunni Islam. Later, since Safavid and with the establishment of Usuli school at the turn the 19th century the authority of living mujtahid is accepted, however it dies with him. For Shia, the status of ijmā is ambiguous.[19] „
„Mu'tazilite view
The ancient Mu'tazilite sect did not consider consensus to be a valid source of law, primarily due to their rationalist criticism of the first generation of Muslims, whom the Mu'tazila viewed as possessing defective personalities and intellects.[20] Shi'ite theologians Al-Shaykh Al-Mufid and Sharif al-Murtaza held the Mu'tazilite theologian Nazzam's book Kitab al-Nakth, in which his student Al-Jahiz reports that he denied the validity of consensus for this reason, in high esteem.[21] Modern scholarship has suggested that this interest was motivated by the desire of Shi'ite theologians to impugn the character of the first three leaders of the Rashidun Caliphate, Abu Bakr, Umar and Uthman.[20].“
Es zeigt sich daher die Vielfalt widersprüchlicher Ansichten, und es zeigt sich, dass es dieses Konzept schon sehr früh gab, obwohl es nicht im Qur'ân oder mit einem authentischen Ḥadît zu begründen ist Es gibt keine einheitliche Meinung dazu.
Aber woher kommt der Gedanke an den iǧmā', auf welcher Grundlage und unter welchen Bedingungen entstand er und traf auf die frühen Muslime?
Nachdem sich die muslimische Herrschaft über Syrien und den Irak ausgebreitet hatte, nahmen zahlreiche der dort lebenden Menschen den Islam an. In diesen Ländern gab es die christ-lichen Kirchen und Gruppen von Juden. Neben einfachen Gäu-bigen gab es in der organisierten Kirche u.a. Gemeinde-verantwortliche, Priester, Bischöfe, Mönche, Lehrer, u.a., die einerseits eine religiöse Unterweisung erhieltem und die andererseits, wenn sie ihre Religion wechselten, ihren alten Job und damit ihre Einkünfte verloren. Anders als die Mehrheit der arabischen Muslime genossen sie zuvor eine intensive religiöse Ausbildung und brachten diese Kenntnisse mit sich. Wenn sie zum Islam übertraten, schlossen sie sich damals einem der arabischen Stämme als sog. maulâ (pl. mawâlî), = Klienten an. Und durch ihr altes Wissen waren sie für viele der weniger geschulten arabischen Muslime bald gefragte Quellen, die das, was sie bei ihnen erfuhren, kritiklos übernahmen.
Wenn wir nun weiter suchen, stellen wir fest, dass es in den alten Kirchen bereits eine Art von iǧmā' gab, den - auf lateinisch - consensus. In Wikipedia erfahren wir, dass er die Entwicklung des christlichen Denkens und der Lehre in den ersten christ-lichen Jahrhunderten nachhaltig bestimmte, und wir wissen auch, welch einen verheerenden Einfluss er hatte und die Leh-ren Jesu veränderte und verfälschte, so dass Jesus seine „Karriere“ von einem normalen Menschen zu einem Teil der Gottesvorstellung in den Köpfen vieler Menschen nach seinem Tod begann.
Wikipedia
„Consensus quinquesaecularis (lat.; „Konsens der [ersten] fünf Jahrhunderte“) ist ein Begriff aus der christlichen Theo-logiegeschichte, der heute nur noch selten gebraucht wird. Er hat seinen Ort im interkonfessionellen Dialog und formuliert die Anschauung, es habe in den ersten fünf Jahrhunderten der Kirchengeschichte, der Zeit der „ungeteilten“ Alten Kirche, eine Übereinstimmung in den Grundlehren des christlichen Glaubens gegeben, die als Basis für eine heute anzustrebende Kirchen-einheit ausreiche. Später hinzugekommene Lehren und Lehr-differenzen seien weniger bedeutsam und müssten nicht kirchentrennend sein..“
Nicht das, was Jesus seine Anhänger lehrte, sondern die Vor-stellungen der Kirchenväter in den ersten Jahrhunderten waren für die Entwicklung der christlichen Lehren entscheidend. In dieser Zeit wurden die heute gültigen Evangelien aus einer Unzahl von ihnen ausgewählt, zum Teil mit grober körperlicher Gewalt.
Die Lehre von der Trinität entstand und verfestigte sich. Sie wurde auf dem Konzil von Konstantinopel im Jahre 381 n. Chr. fixiert. Die trinitarische Stelle 1Joh 5,7 ist frühestens im 3. Jahrhundert in die lateinische Bibelübersetzung eingedrungen, also nicht ursprünglich.
Wikipedia: „Da das Geburtstagsfest des Sol Invictus im frühen 4. Jahrhundert allgemein bestens bekannt war, kann ange-nommen werden, dass die Übereinstimmung des Datums von christlicher Seite gewollt war.“
Jesus forderte seine Anhänger nicht auf, seinen Geburtstag zu feiern. Die Bibel kennt nicht das Geburtsdatum Jesu, und es wurde - wie wir sehen - stattdessen das Datum des römischen Sonnengottheit genommen.
Und es zeigt sich auch, dass die Entwicklung im Christentum zu einer Gelehrtenreligion über die mawâlî bald Eingang in das Denken der Muslime fand - mit allen schlimmen Folgen für die spätere Entwicklung bis zum heutigen Tag. Zwar nicht so extrem wie im frühen Christentum, das von der mono-theistischen Lehre Jesu zu einer Form des Polytheismus (Trinität = Glaube an eine 3-teilige Gottheit) verfälscht wurde.
In Gesprächen und Diskussionen greifen Muslime häufig zu Gelehrtenmeinungen, verweisen darauf, dass sie nach ihrer Meinung zum iǧmā' gehören usw. Der Qur'ân hingegen fordert die Muslime nicht zum Nachplappern vorgefundener Meinungen auf, sondern wiederholt zum tafakkur - zum eigenen Nach-denken.
Nachdem es nun klar ist, dass der iǧmā' nicht mit dem Qur'ân begründet werden kann, ebenso nicht mit authentischen Hadîṯen: Er ist eine Übernahme aus dem vormuslimischen christlichen Denken.
An anderer Stelle (Amin K. Waltter, Islam und Homo-sexualität), Teil 5, Untertitel, Die Geschichte des Sodom-Mythos, die Entstehung und die Verbreitung unter den Muslimen
436 Seiten ISBN: 978-3-3846-3894-6) habe ich darauf hinge-wiesen, dass auch der Sodom-Mythos, die Idee, dass alle Män-ner einer bestimmten Population homosexuell gewesen seien, aus dem Bereich des mawâlî-Umfeldes stammte, und über sie Eingang ins muslimische Denken fand. Diese durch keinen historischen Beleg unterstützte Fabel ist eine Fehlinterpretation einer einzigen Stelle im Alten Testament und entzündete die Fantasie der frühen Christen. Die Muslime stützten sich in vielen frühen Qur'ân-Interpretationen auf diese gänzlich halt-lose Annahme der Kirchenväter und merkten nicht, wie sehr sie im Widerspruch zu dem Wortlaut des Qur'âns stand.
Der Begriff des Konsensus hat noch ältere Wurzeln, die das Denken der früher Christen beeinflusste. Für unser Thema hier war jedoch die Frage zu beantworten, was die Quelle für die frühen Muslime war.
Ähnliches kann man über zahllose andere Begriffe und Kon-zepte im religiöse Danken feststellen.
So kommt das Wort „Wunder“ (arabisch: mu'ǧiza - معجزة) nicht im Qur'ân vor, ebenso nicht in der Ḥadîṯ-Literatur wie die Ḥadîṯ-Konkordanz von A.J. Wensinck, CONCORDANCE ET INDICES DE LA TRADITION MUSULMAN, zeigt, die die 9 bekanntesten Sammlungen untersuchte. Dennoch z.B. sprechen Muslime von „Wundern“ in den Berichten des Qur'âns, bekleben mit einer Art „Wundpflaster“ das, was sie nicht erklären können, eine Art Schein-Antwort. Das Wort hat erst später Eingang ins muslimische Denken gefunden, wie der Sachverhalt in den beiden Quellen bezeugt. Weiteres hierzu finden Sie in dem Artikel „Bedeutet Islam, an Wunder zu glauben?“ auf dieser Web-Site.
Wir wissen, dass im Neuen Testament häufig von Wundern gesprochen wird, und es liegt daher nahe, hier den Ursprung des Wortes und der Vorstellung davon anzunehmen, wiederum mit den mawâlî als Vermittler für die Muslime.
Und diese Reihe kann sicherlich ergänzt werden, wenn wir nur kritisch genug hinterfragen, ob das, was Muslime für islamisch halten, es auch wirklich ist. Der Einfluss der mawâlî war unbeschreiblich groß, schon weil sie in der frühen muslimi-schen Geschichte bald die Mehrheit der Muslime bildeten.
Möge Allah uns helfen, wieder zu dem dem, was Er offenbarte, zurückzukehren und alle Ergänzungen und Neuerungen aus anderen Quellen beiseite zu lassen.
(25.05.2026): Herkunft des iǧmâʿ und wann und wie er von den Muslimen mit welcher Intention eingeführt wurde in den muslimischen Diskurs. Nachfolgend auszugsweise elementare Aussagen von claude ai:
Zum Vers ( 4:115) heißt es:
Dies ist sein Hauptargument: Der Ausdruck sabīl al-muʾminīn – „der Weg der Gläubigen" – wird von aš-šâfiʿî als normativer Begriff gelesen. Wer vom Konsens der Gläubigen abweicht, weicht vom offenbarten Weg ab. Der iǧmāʿ ist also der kollektive sabīl der Gemeinschaft.
Das Argument für Beeinflussung
Die Parallelen [zu den frühen Christen] sind auffällig. Beide Konzepte entstanden in einer Phase innerer Differenzierung, wo eine wachsende Gemeinschaft entscheiden musste, welche Meinungen verbindlich sind und welche als Abweichung gelten. Beide [= die frühen Christen und die frühen Muslime] benutzen Übereinstimmung als Wahrheitskriterium statt logischer Beweisführung. Beide schützen die Gemeinschaft nach innen gegen Dissidenten.
Dazu kommt: Der frühe Islam [= Islam-Lehre] entstand in einer Umwelt, die theologisch von Christen und Juden geprägt war. In Syrien, Irak und Ägypten — den intellektuellen Zentren des frühen Islam [= der frühen Muslime]— lebten Christen mit langer Tradition kirchlicher Diskussion. Die ersten muslimischen Juristen und Theologen kannten diese Umwelt gut. Dass Begriffe, Denkfiguren und Argumentationsformen aus dieser Umgebung in die entstehende islamische [= muslimische] Wis-senschaft einflossen, ist historisch gut belegt — etwa in der Übernahme griechisch-aristotelischer Logik in den kalām (isla-mische [= muslimische] Theologie).
Der Arabist und Islamwissenschaftler Joseph Schacht hat in
seiner Forschung zur islamischen [=muslimischen] Rechtslehre gezeigt, dass frühe muslimische Juristen durchaus auf Konzep-te aus jüdischem und christlichem Recht zurückgriffen — aller-dings selten explizit und meist über Vermittler.
Das Modell — Transmission durch gebildete Konvertiten, nach-trägliche islamische [= muslimische] Begründung durch kon-struierte Ḥadîṯe — ist nicht nur plausibler, es ist auch historisch konsistenter mit dem, was wir über die Entstehung islamischer [= muslimischer] Rechtsbegriffe in der Umayyaden- und frühen Abbasidenzeit wissen. Die Beweislast liegt nicht bei der Über-tragungsthese, sondern bei der Unabhängigkeitsthese.
Das Muster ist klar: Konvertiten mit theologischer Vorbildung brachten ihr Wissen mit, oft ohne es als Fremdgut zu kenn-zeichnen, weil es sich in der neuen Umgebung als nützlich erwies und sich organisch einfügte.
Der Mechanismus ... ist historisch gut belegt — nicht als Speku-lation, sondern als nachgewiesenes Phänomen. Die Konversion gebildeter levantinischer Christen zum Islam im 7. und frühen 8. Jahrhundert ist dokumentiert, und mit ihnen wanderten Kon-zepte, Argumentationsformen und Institutionen.
Dafür spricht noch ein weiteres Detail: Die frühe islamische [= muslimische] Rechtsdiskussion entstand nicht auf der arabi-schen Halbinsel, sondern in Syrien, Irak und Ägypten — genau den Regionen mit der dichtesten christlichen Gelehrten-tradition. Die Fuqahāʾ (Rechtsgelehrten) der Umayyaden-Zeit in Damaskus operierten in einem intellektuellen Milieu, das von christlichen und jüdischen Gelehrten mitgeprägt wurde.
Was das Argument [die Übernahme von den Chrsten] stark macht, ist die Kombination dreier Faktoren, die zusammen mehr sind als die Summe ihrer Teile:
Erstens der nachgewiesene Personentransfer — gebildete Konvertiten mit theologischer Vorbildung. Zweitens die geografische Überschneidung — die Entstehungszentren des islamischen [= muslimische] Rechts sind identisch mit den Zentren christlicher Gelehrsamkeit. Drittens das Funktions-prinzip — beide Konzepte lösen dasselbe Problem auf dieselbe Weise: Sie erzeugen Verbindlichkeit durch Berufung auf kollektive Übereinstimmung statt auf Einzelautorität.
Das reicht nicht für den Beweis einer direkten Übernahme — aber es reicht für die Aussage, dass die Nullhypothese (keine Verbindung) unwahrscheinlicher ist als die Alternative. In der Historiographie nennt man das plausible Transmission — ein schwächerer, aber legitimer Erkenntnisanspruch, der in der Islamwissenschaft noch zu wenig systematisch verfolgt wurde.
Außerdem entwickelte sich der iǧmāʿ organisch aus internen islamischen [= muslimischen] Debatten. aš-šâfiʿî (767–820), der das Konzept als erster systematisch in sein Rechtsquel-lensystem (uṣūl al-fiqh) integrierte, argumentierte aus dem Koran und der Sunna heraus — nicht aus externen Quellen. Er brauchte den iǧmāʿ, um die Vielfalt regionaler Rechtstraditionen (Medina, Irak, Syrien) zu bändigen — ganz ähnlich wie die frühe Kirche den consensus gegen regionale Sonderlehren einsetzte, aber aus eigenem Antrieb.
Mein Argument gegen die von aš-šâfiʿî vertretene These [Verse: (3:103), (4:59), (4:115)]:
Vers (3:103):
„Am Seile Allahs“ festhalten und „eine Gemeinschaft sein, die zum Rechten auffordert und das Gute gebietet und das Böse .verwehrt“, sind Aufforderungen des Qur'âns, jedoch keine Aussage darüber, dass man einer wie auch immer geartetet in-formellen Gruppe diese Funktion zuschreibt. Alle bemühen sich um das richtige Verständnis der religiösen Lehre, Und selbst wenn alle oder mehrere Personen einer Meinung sind, ist es – wie gerade gesagt – eine Meinung und keine unanfechtbare Festlegung, besonders, wenn es mehrere Gruppen, Gelehrte mit unterschiedlicher Meinung gibt. Und eine solche Meinungs-bildung ist – wie man bei Auseinandersetzungen zwischen religiösen und wissenschaftlichen Gelehrten in den vergange-nen Jahrhunderten sehen kann z.B. bei astronomischen Phäno-menen,ein nicht zu vernachlässigendes Lehrstück. Daher ist eine Annahme, dass ein einmal gefasster iǧmâʿ, اجماع unumstößlich sei, nicht einsehbar.
Vers (4:59)
Der Qur'ân fordert die Muslime auf „Allah und dem Gesandten und den Befehlshabern unter euch “zu gehorchen“, solange es untereinander keinen Streit gibt. Wenn es ihn gibt, dann „bringt es vor Allah und den Gesandten“. D.h. dann entscheiden nicht jene, die hier „Befehlshaber unter euch“ genannt werden, son-dern sondern prüft den Qur'ân, gegen authentische Ḥadîṯe, prüft die Naturgesetze und was immer bei dem Problem angemessen ist.
Vers (4:115)
Und wer sich dem Gesandten widersetzt, nachdem ihm der rechte Weg klar geworden, und einen anderen Weg befolgt als den der Gläubigen, den werden Wir verfolgen lassen, was er verfolgt, und Wir werden ihn in die Hölle stürzen; und schlimm ist die Bestimmung.
Der „Weg der Gläubigen“, sabīlu´l-muʾminīn, welcher Weg ist das?: Der Weg einer Mehrheit, der Weg der Gesamtheit, der Weg bestimmter Gruppen? Ein Rechtsgelehrter könnte sagen, der Weg der Rechtsgelehrten meiner Grupp: Damit verschafft er sich der Allgemeinheit gegenüber eine herausgehobene Posi-tion. Der „Weg der Gläubigen“, sabīlu´l-muʾminīn, ist keine defi-nierte Gruppe, Bildungsstatus o.ä. Und von daher: Seien wir mehr als vorsichtig bei einer Zuschreibung. Spätere Muslime können zu anderer Meinungsbildung kommen. Sollen sie sich dann einem einmal in der Vergangenheit auf überholten Ansichten begründeten Entscheid unterwerfen? – Eine nicht haltbare Position!
Claude ai weist auf weitere Unsicherheiten hin.
Die drei Dimensionen des Problems
1. Die Modalitätsfrage – Wie entsteht Konsens?
Ihre erste Gruppe betrifft das Verfahren:
Typ | Arabisch | Problem |
Ausdrückliche Aussage | iǧmāʿ qawlī | Wer hat gesprochen? Wann ist genug gesprochen? |
Nachgewiesene Praxis | iǧmāʿ fiʿlī | Wessen Praxis zählt? Seit wann? |
Stillschweigende Billigung | iǧmāʿ sukūtī | Schweigen als Zustimmung – das ist hochproblematisch |
Besonders der iǧmāʿ sukūtī wurde heftig debattiert: Wenn ein Gelehrter eine Meinung äußert und kein anderer widerspricht – ist das Konsens? Al-Shāfiʿī lehnte das ab. Die Ḥanafiten akzeptierten es unter Bedingungen. Das Schweigen der Mehr-heit wurde so zur interpretierbaren Quelle.
2. Die Personenfrage – Wessen Konsens zählt?
Ihre zweite Gruppe betrifft die Träger des iǧmāʿ:
Konsens der Gemeinschaft (umma) insgesamt – theoretisch maximale Legitimität, praktisch völlig unoperationalisierbar
Konsens der Gelehrten (ʿulamāʾ) – die häufigste Definition, aber: welche Gelehrten, welcher Generation?
Konsens der Gefährten (ṣaḥāba) – historisch nah an der Offen-barung, aber tot und nicht mehr befragbar
Konsens der rechtgeleiteten Kalifen – noch enger, nur vier Per-sonen
Konsens in Medina – Mālik ibn Anasʼ Position: die Praxis Medi-nas ist lebendige Sunna, weil die Stadt des Propheten die Über-lieferung unverfälscht bewahrt hat
3. Die Geographisch-institutionelle Frage – Wo sitzt die Autori-tät?
Medina gegen Mekka: zwei Städte der Frühzeit mit unter-schiedlichen Überlieferungssträngen
Kufa gegen Basra: die großen irakischen Gelehrtenzentren – rational-spekulativer, weiter vom Propheten entfernt
Innerhalb einer madhhab: das ist eigentlich kein iǧmāʿ mehr im klassischen Sinne, sondern Schulkonsens – eine deutliche Verkleinerung des Anspruchs
Was das bedeutet
Diese Auffächerung folgt einer inneren Logik:
Je größer die Gemeinschaft, desto höher die Legitimität – aber desto geringer die Praktikabilität.
Je kleiner die Gemeinschaft, desto operationalisierbarer – aber desto leichter angreifbar.
Träger des iǧmāʿ | Legitimität | Praktikabilität |
Gesamte umma | Maximal | Null |
Alle Gelehrten aller Zeiten | Sehr hoch | Kaum möglich |
Gelehrte einer Epoche | Mittel | Schwierig |
Konsens in Medina | Historisch hoch | Möglich |
Konsens einer madhhab | Gering | Gut möglich |
Die eigentliche Antwort auf die Frage
Was also ist iǧmāʿ?
iǧmâʿ ist ein regulatives Ideal – die Idee, dass die islamische [= muslimische] Gemeinschaft in ihrer Gesamtheit durch den Geist der Offenbarung vor dauerhaftem Irrtum bewahrt wird.
Aber als juristisches Instrument ist er das, was jede Rechtsschule, jede Generation, jeder Gelehrte aus ihm machte – angepasst an die Frage, welche Autoritäten man stärken oder begrenzen wollte.
In diesem Sinne haben Sie vollkommen Recht: Die Muslime imaginierten eine Gemeinschaft religiöser Autorität – und die konkurrierenden Definitionen des iǧmāʿ sind die Spuren dieser Imagination in der Rechtsgeschichte.
Das ist strukturell nicht unähnlich dem christlichen Streit darü-ber, ob consensus die Väter, die Konzilien, den Papst oder die Gesamtkirche meint – derselbe regulative Begriff, derselbe institutionelle Kampfplatz.